Test: Rock Shox Monarch+ RC3 Debon Air

Test: Rock Shox Monarch+ RC3 Debon Air

Einleitung

Eigentlich war ich ja ganz zufrieden mit meinem Fox Float RP23. Erst im Sommer 2013 habe ich ihn gebraucht und direkt vom Tuning bei Flatout Suspension kommend von einem meiner Bikekumpels erstanden. Mir gefiel der niedrige Losbrechmoment und die harmonische Zusammenarbeit mit der Hinterbau-Geometrie meines GHOST AMR 5700 (Übersetzungsverhältnis von 2,0 (200mm Einbaulänge x 57mm Hub)). Allerdings fing er dann letzten Sommer an am ProPedal-Regler Öl zu verlieren – ein Blick in einschlägige Foren und mir war klar dass das kein individuelles Problem ist.

Nach dem Gabelservice und meinem Vorhaben, meinen Hobel über den Winter wieder richtig fit zu machen, stand ich also vor der Entscheidung, entweder den RP23 zum Service zu schicken und danach den gleichen Dämpfer weiterzufahren, oder geringfügig mehr Geld in die Hand zu nehmen und etwas zu besorgen, dass ich seit der ersten Vorstellung und den ersten Erfahrungsberichten eigentlich schon immer haben wollte: Den Rock Shox Monarch+ RC3 in der „Debon Air“-Variante. Da ihr irgendwo im Netz auf den Artikel geklickt habt, wisst ihr wohl schon jetzt wie ich mich entschieden habe. Und mein erster Eindruck sagt mir: Gute Entscheidung!

 

Verpackung

Ja, ich habe mich also für den Rock Shox Monarch+ RC3 Debon Air entschieden und ihn im Rahmen der letzten „10% auf alles“-Aktion bei BMO geschossen. Er musste zwar erst bestellt werden, aber dann war er da: Formschön und optisch absolut ansprechend im Rock Shox-Karton lag er vor mir. Zusätzlich zum Dämpfer an sich, liefert Rock Shox eine schwarze Dämpferpumpe aus Aluminium mit, die alleine sicher schon einiges kosten würde. Die Skala zeigt ein Maximum von 300psi an, wobei der Monarch+ RC3 Debon Air bis zu 350psi aushält – selbst der ungeschickteste Anwender kann mit der Pumpe also schonmal nichts kaputt machen. Wer etwas tiefer in der Verpackung gräbt, findet außerdem ein komplettes Service-Kit, zwei Anleitungen und einen Rock Shox-Sticker im XL-Format.

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Dämpfer im Detail

Doch zum wichtigsten Part: Schauen wir uns den Rock Shox Monarch+ RC3 Debon Air mal genauer an. Er ist komplett in schwarz gehalten, auch das Casting glänzt im Stealth-Look. Rock Shox verkauft ihn auch in Weiß, allerdings findet man in 95% der bekannten Online-Shops nur die auch von mir getestete schwarze Version. Wer Interesse hat, muss also etwas suchen. Weiterhin liefert Rock Shox den Dämpfer mit eingepressten DU-/DP4-Gleitlager aus, die ich aufgrund des schnellen und hohen Verschleißfaktors noch vor dem Einbau gegen hochwertige Kunststoff-Gleitlager von IGUS ausgetauscht habe. Rock Shox liefert übrigens keine Buchsen mit, wer also nicht schon das passende Zuhause hat, kann den Dämpfer nicht so ohne weiteres einbauen! Hier empfehle ich euch die maßangefertigten Buchsen von Huber Bushings, die in meinem letzten Buchsenvergleich aufgrund ihrer hervorragenden Verarbeitung super abgeschnitten haben.

Vermutlich um die Einstellung zu vereinfachen, hat Rock Shox den SAG-Meter direkt auf das Casting aufgedruckt. Weiterhin findet sich neben dem Ventil – es gibt nur eins für Positiv- und Negativ-Kammer, Rock Shox nennt das „Solo Air“ – der Compression-/Druckstufen-Hebel. Den gibt’s nur in der RC3-Version, die R-Version muss ohne auskommen. Er lässt sich in drei Stufen schalten, „Min“, „Mid“ und „Firm“. Rock Shox betont übrigens ausdrücklich, dass letztere Druckstufen-Einstellung keinem Lockout gleich kommt. Oberhalb des Piggybacks befindet sich der Zugstufen-Regler, durch den man via Drehung nach links (Schildkröte) und rechts (Hase) wie beim RP23 über einzelne „Klicks“ die Zugstufe einstellen kann. Im Gegensatz zum RP23 spüre ich am Monarch innerhalb des ganzen Spektrum der Klicks einen Unterschied und nicht nur in den ersten zehn Klicks. Auf der Vorderseite findet sich außerdem noch ein Aufkleber mit dem eingestellten Tune, der Monarch+ RC3 Debon Air ist nur im M/M-Tune erhältlich. Je nach Umlenkungs-Übersetzung eures Hinterbaus kann es durchaus sein, dass der Tune verändert werden muss, um den Dämpfer perfekt auf den Rahmen einzustellen. Eine Orientierungshilfe bietet folgende Grafik. Und wer es dann selbst probieren will, der hält sich an die super einfache Anleitung vom ENDURO Magazin.

tune

Die ein oder anderen werden sich bis hier bestimmt gedacht haben: „Debon Air? Was ist das? Wo ist der Unterschied zum normalen Monarch+?“
Und ihr habt Glück gehabt, ich kann’s euch nämlich erklären! Bei „Debon Air“ handelt es sich um einen Marketing-technisch wunderbar geschaffenen Kunstnamen für eine simple Vergrößerung der Luftkammer, um die Progressivität des Dämpfers zu reduzieren und einen weicheren, also möglichst linearen Verlauf der Dämpferkennlinie zu bieten ohne das Durchschlagsrisiko zu erhöhen. Wer einen normalen Monarch+ fährt und sich ebenfalls ein weicheres Ansprechen seines Dämpfers wünscht, kann einfach zum Debon Air Upgrade Kit greifen und muss sich keinen neuen Dämpfer kaufen.

Eine weitere Funktion, die einige von euch unter anderem schon von der großartigen Rock Shox Pike kennen, ist das sogenannte „Rapid Recovery“. Unter dieser Funktion versteht Rock Shox ein schnelleres Ausfedern des Dämpfers und daraus resultierend vorallem eine verbesserte Traktion bei vielen hintereinander folgenden Schlägen, wie die folgende offizielle Grafik verbildlichen soll.

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Praxiseindruck

Klingt nach viel Marketing? Finde ich auch. Wichtiger ist es doch, wie sich das Ganze in der Praxis auswirkt. Dafür habe ich den Monarch an meinem Bike eine Runde über die Singletrails am Münchner Olympiapark gejagt. Viele kurze, aber dafür schnelle Singletrails mit Matschlöchern, Wurzelfelder und Steintreppen. Getestet wurde der Dämpfer an meinem Bike, hier die Übersicht über mein Setup für den Test. Zusätzlich habe ich die Zugstufe auf den fünften „Klick“ von Offen gestellt, um ein möglichst ähnliches Ausfederverhalten wie bei der Gabel zu erreichen.

Testbike 
Modell (Baujahr)GHOST AMR 5700 (2011)
Gabel (Federweg, Sag)FOX 32 FIT RL, FAST Tuning (120mm, 25%)
Dämpfer (Hub, Sag)Rock Shox Monarch+ RC3 Debon Air (57mm, 30%)
Reifen (Art, Luftdruck)Continental Race King 2.2 ProTection (BCC, 2,0 Bar)
Gewicht12,4kg

Vom ersten Meter auf unbefestigtem Boden an, spüre ich tatsächlich ein wesentlich softeres Federverhalten im Vergleich zum zuvor verbauten Fox Float RP23. Der Monarch reagiert subjektiv empfunden schon auf kleinste Bodenunebenheiten, das konnte der Fox nicht so gut. Das Losbrechmoment ist quasi nicht vorhanden, der Dämpfer nutzt den Hub wesentlich linearer, um erst in den letzten 15-10% des kompletten Hubs deutlich progressiver zu werden und vor Durchschlägen zu schützen. Zwischenzeitlich musste ich den Luftdruck von Anfangs 110psi etwas anpassen, da der Dämpfer bei Landungen aus Sprüngen heraus durch den kompletten Hub durchgerauscht ist, sodass ich im Laufe des Tests mit 130psi (ca. 8,9 Bar) das optimale Mittel für mein Gewicht gefunden habe (ca. 85kg mit Ausrüstung).

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Das Verstellen des Compression-Hebels ist auf dem Trail deutlich spürbar. Der offene „Min“-Modus eignet sich dann, wenn man’s abwärts richtig krachen lässt. Im „Mid“-Modus jagt man am besten über flachere Trails, der Dämpfer arbeitet hier etwas fester. Im „Firm“-Modus ist das Wippen des Hinterbaus insbesondere bei Anstiegen wirksam unterbunden. Egal welchen Modus man wählt, wie bei vielen anderen Dämpfern gibt auch der Monarch bei entsprechenden Schlägen den benötigten Hub frei, sodass man keine Schäden am Dämpfer befürchten muss, falls man ihn vor einer Abfahrt mal doch vergessen sollte wieder auf „Min“ zu stellen. Ich persönlich bin den Monarch die zweite Hälfte des Tests hindurch auf „Min“ gefahren und hatte nie das Gefühl, einen störend wippenden Hinterbau zu spüren. Das „Rapid Recovery“-Feature hat mich hier besonders begeistert. Es war mir so gut wie nicht möglich den Hinterbau aus dem Konzept zu bringen, selbst wenn mal eine Rüttelpiste unter den Reifen lag. Egal wie schnell die Schläge folgten, das Rad blieb am Boden kleben. Mein RP23 wirkte in diesen Situationen wesentlich nervöser und schaffte es oft nicht den Takt schneller und wiederholender Schläge zu halten.

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Soweit mein Eindruck vom Local Trail. Ich werde den Dämpfer bei nächster Gelegenheit mal über eine längere Alpentour fahren und meine Erfahrungen an dieser Stelle ergänzen. Schlussendlich bleibt zu sagen, dass mein bisheriger Eindruck vom Monarch sehr gut ist und er mein Bike im Rahmen meiner üblichen Streckencharakteristik sinnvoll ergänzt. Im Vergleich zum RP23 bietet er wesentlich mehr Reserven und vorallem das „Rapid Recovery“-Feature hat es mir angetan. Einstufen würde ich ihn als Dämpfer für Trail, All Mountain und Enduro, den Downhill-Freunden würde ich stattdessen eher zum Vivid Air raten.

Ihr habt noch Fragen, auf die ich im Verlauf des Tests nicht eingegangen bin? Schreibt mir in den Kommentaren!